Sonntag, 18. Februar 2018

Mehr Regen

Breaking News. Unwetterwarnung. Und sie kommen, Gewitter bei denen es kracht. Regen, als würden Badewannen ausgeschüttet. Es regnet den vierten Tag. Beruhigend, wenn auch wenig hilfreich, dieses Wetter kommt von Süden, so dass auch die westliche Sonnenseite betroffen ist.

Ich lasse mich vom Wetter nicht besiegen und mache vor dem Frühstück meine 10 km Dschungeltour, vorerst zum letzten Mal. Vorteil, kein Feinstaub. Morgens war der Regen erstaunlich warm. In den Folgenden Gewittern sinkt die Temperstur von 24 auf 18 Grad. 18 Grad mittags in Äquatornähe.


Samstag, 17. Februar 2018

Regen

O


Tag 1


Tag 2



Tag 3

100 l Regen sind pro Quadratmeter gefallen. Ich rechne, d.h. 200.000 l Wasser auf meinem Grundstück, oder 20.000 volle Eimer hier ausgekippt. Der Wetterbericht macht keine Hoffnung auf ein Ende des Regens.

Darauf hin beschließe ich es wieder einmal über den Wolken zu versuchen. In 4200 m Höhe auf dem Mauna Kea muss doch was gehen. In gut tausend Meter Höhe habe ich auch schon die erste Schicht Regenwolken unter mir gelassen.



Richtung Süden wird es auch heller. Unterwegs denke ich, vorher zu checken ob die Berckstraße frei ist, wäre auch nicht dumm gewesen. Richtig, eine halbe Stunde später bin ich klüger: Road closed, hazard weather conditions.

Ich schaue runter, Richtung Hilo, wo es mittlerweile nicht mehr so dunkel aussieht. In der Tat türmt sich über den Vulkan eine hohe Gewitterwolke auf. Es stürmt auch, hier auf fast 3.000 m.  2,9 km weiter unten ist es jedoch in der Tat mittlerweile trocken.


Ich mache einen langen Spaziergang vom Ortszentrum Hilos bis zum Banyan Drive, benannt nach den die Straße säumenden Bäumen. Hier ist die Hitelgegend und der bescheidene Strand.


Dass viele "Gäste" in der Stadt sind fällt sofort auf. Kaum ein Eingeborener oder amerikanischer Tourist trägt hier lange Hosen. Von denen sind aber viele unterwegs, dazu viel zu förmlich gekleidete Frauen. Da wird mir bewusst, wie sehr ich mich bereits an die sehr informelle Kleidung auf diesen Inseln gewöhnt habe (obwohl es nicht so ist, wie mein Freund K. meint, dass ich die 10 Wochen nur im selben T-Shirt rumlaufe). 

Der hier hat die Fremden in die Stadt gebracht:


Und das ist typisch für das entspannte Lebensgefühl hier, das mir vermutlich bald fehlen wird:


Zurück in meinem Regenwald sitze ich nach drei Tagen erstmals wieder in der Sonne. Die Wettervorhersagen für meinen letzten Tag sind leicht widersprüchlich. Die einen sprechen von einem sonnigen Sonntag mit 5 % Regenwahrscheinlichkeit, die anderen von schweren Gewittern und 90 % Regenwahrscheinlichkeit. Ich bin gespannt. 





Donnerstag, 15. Februar 2018

Wetterwechsel

Der Inselsüden liegt unter dicken Wolken, während es im Norden wolkenlos ist, behauptet jedenfalls der Wettermann im Radio. Ein Versuch ist's wert. Das Waipio Tal, 70 km nördlich hat auch den schönsten Strand.

Niemand, aber auch wirklich niemand, hält sich hier an die Geschwindigkeitsbegrenzungen. Also stelle ich den Tempomat auch immer auf die Geschwindigkeitsbegrenzung plus 5-7 Meilen. Hinter mir ein Auto ziemlich nah dran, also gebe ich noch zwei Meilen dazu. Da schleicht 500 m vor mir ein Sattelschlepper aus einer Nebenstraße auf die Fahrbahn. Ich checke den Gegenverkehr, trete das Gas durch und brause mit 85 Meile/h vorbei, zugelassene Geschwindigkeit hier 55. Mit Meinem Spurt gefährde ich den Gegenverkehr nicht, allerdings hätte ich auch nicht sehr viel langsamer sein dürfen.

Im Rückspiegel sehe ich, als der Gegenverkehr durch ist, meinen Hintermann ebenfalls den LKW überholen und mit einer Affengeschwindigkeit mich einholend. Denke, der ist ja voll verrückt. Kurze Zeit später klebt er an meiner Stoßstange – und erst jetzt sehe ich – Polizei. Auf Big Island fahren die nur Zivilfahrzeuge, allerdings mit Blaulicht auf dem Dach und an der Stoßstange. Ich warte auf die Sirene. Praktischerweise liegen meine Papiere, und zwar alle, Ausweis, Führerschein, Pass, 50 km südlich im Haus. Das kann lustig werden. Immerhin bin ich weiß und werde so vermutlich nicht direkt erschossen.

Die Polizei bleibt hinter mir, ich fahre jetzt immer nach vorgeschriebener Geschwindigkeit. 5 Minuten, 10 Minuten, 15 Minuten, der Schweißfilm auf meiner Stirn wird nicht dünner. Im nächsten Städtchen sind sie auf einmal weg. Nehme mir vor, wenigstens immer die Papiere mitzunehmen.



Nicht ganz wolkenlos, aber heiter zeigt sich das wahrscheinlich schönste Tal der Welt. Die wahrscheinlich steilste Straße der Welt hinunter muss diesmal der Jeep leisten. Zur Steilheit kommen Schlaglöcher hinzu, in denen ein Kleinwagen versinken würde, aber gut durchgeschüttelt doch in ganzen Stücken komme ich am Strand an.


Der Pazifik, glasklar und warm wie immer.


Auf dem Rückweg schaut mich vor der Steigung bittend ein Paar an und macht ganz vorsichtig den Daumen raus. Ich nehme sie mit. Nach ein paar Sätzen auf Englisch schaut der Typ auf mein Arminia-T-Shirt und meint, dann könnten wir ja auch auf Deutsch weiterreden. Wirklich nette Leute aus Ulm, die noch netter wirken, weil sie mir mein Rentenalter nicht glauben wollen. 

Auf der Strecke laden wir noch zwei erschöpfte amerikanische Mädels zu, die dann unbedingt wenigstens einen Satz auf Deutsch lernen wollen, damit sie ihre Hotelnachbarn damit überraschen können. So quatschen wir alle noch lange zusammen, bevor ich mich auf die Heimfahrt mache. 


Mittwoch, 14. Februar 2018

Puna Trail

Die ganze Nacht und den halben Tag Regen (Wettervorhersage: Heiter bis wolkig, 30°). Tropischer Regen, das heißt es hat geschüttet. Gegen Mittag reißt Bewölkung auf, und ich nehme mir den Puna Trail vor, einen historischer Pfad zu einer heiligen Stätte, der bei mir an der Küste entlang führt. 

Womit ich nicht gerechnet habe, dass nach kurzen Weg durch offenes Land der Pfad einige zehn Meter in den Regenwald abbiegt. Der dampft jetzt natürlich mächtig, der Weg teilweise schlammig, ich natürlich keinen Insektenschutz dabei (obwohl mich Blutsauger hier nicht besonders mögen). 


Streckenweise aber auch gut zu gehen.


Der Wald ist alles andere als eintönig. Immer wieder gibt es besondere Dinge zu entdecken. Mächtige Bäume mir riesigen Luftwurzeln, dann Palmenhaine, Gummibäume...


Wie die Bäume ihre Wurzeln ausbreiten, um sich auf der Lava Halt zu verschaffen.


Teilweise sieht es wirr aus. Alles Baumwurzeln. 


Nach 80 Minuten sind die 5 km geschafft. Ich bin an der Haena Bucht. Diese Bucht hatte bei den Hawaiianern eine sakrale Bedeutung (wahrscheinlich auch, weil es hier im Osten nur wenige gibt). 

Eine Lagune, ein kleiner Strand mit ganz feinem Sand für mich alleine. Das Meer ist heute aufgewühlt, die Lagune geschützt, da sollen sich angeblich die Schildkröten besonders wohl fühlen. Ich geh schwimmen, sehe aber nur ein paar Riffbarsche.


Mag gar nicht zurückgehen, liege auf dem Wasser,,vergesse die Zeit ein wenig, und schaffe es gerade noch vor Einbruch der Dunkelheit wieder am Auto zu sein. Mein Fitness Tracker  rechnet mir vor, 1000 cal zusätzlich verbraucht. 

Zu Hause quakt, fiept und zirpt es heute fast dröhnend laut (dabei höre ich ja viele Frequenzen gar nicht mehr). 




Samstag, 10. Februar 2018

Tropical Botanic Garden

Dieser tropische Garten ist einfach fantastisch. Entstand aus der Leidenschaft eines Ruhestands – Ehepaares, die über nötiges Kleingeld verfügten. 


















Wechselhaft

Die Wettervorhersage verspricht 11 Stunden Sonnenschein, bei wolkenlosem Himmel, und selbiger zeigt sich auch in makellosem blau. Also rauf zum  Volcanoes Nationalpark. Den großen Krater des Kilauea umwandern, soweit es wegen Giftgase möglich ist. Kaum oben, ziehen schönste ersten Wolken auf. 

Zuerst geht es an schwefelhaltigen Dämpfen vorbei, dann an Wasserdampf. Das in den Boden einsickernde Regenwasser verdampft auf heißen Gesteinsschichten und sucht sich Wege nach oben. Eine natürliche Dampfsauna.


Im weiteren geht es am Kraterrand der Kilauea Caldera vorbei. Der Vulkan ist immer aktiv. In der Caldera dampft noch ein Lavasee, die jetzigen Lavaausbrüche erfolgen jedoch an der Seite über den sich gebildeten Krater Pu'u O'O. 

Hier ein Blick hinunter, hinten der Lavasee, der jedoch so tief liegt, dass man ihn nur in der Dunkelheit rot leuchten sieht.


Nach 5 km geht es hinter dem Jaggar Museum nicht mehr weiter. Also erstmal Picknick. Es fängt leicht an zu regnen, ab ins Museum. Nach 1 Stunde alles gesehen, es regnet heftiger, selbst in merkt man es ist deutlich kühler geworden. Ich blättere in Büchern des Museums Shops, schaue mir noch Mals die Lavaausbrüche auf Video an, finde schließlich eine ruhige Ecke, lese mein Buch. Es wird immer dunkler. Warum hält sich das Wetter nicht an die Regel, dass es in den Tropen eigentlich keinen Dauerregen gibt, sondern nur heftige, aber kurze Schauer?

Mittlerweile warte ich 3 Stunden und beschließe trotz Regens den Rückweg anzutreten. Immerhin habe ich von meinen Aufenthalten in Inzell gelernt, in den Bergen ist das Wetter unberechenbar. So habe ich eine Fließjacke und eine Regenjacke mit. Ich ziehe nun durch die Wolken, es ist nass, es sind nur noch 13°, aber es ist nicht wirklich unangenehm. 


Vielleicht hätte ich bei der Wettervorhersage schon darüber stutzig werden sollen, dass zwar wolkenloser Himmel angesagt war, gleichzeitig aber die Regenwahrscheinlichkeit mit 50 % beziffert wurde. 

Zum Einbruch der Dunkelheit bin ich zurück in meinem Orchideenland, hier sind es noch 22°. Und zwar Celsius. 



Donnerstag, 8. Februar 2018

Heim und Hilo



Im Orchideenland, wo ich wohne, wurde der Regenwald in Parzellen aufgeteilt und zum Wohngebiet gemacht. Es gibt noch einiges zu kaufen. So fängt das dann an:


Die Grundstücke sind groß bis riesig, vielfach wird einiges vom Wald stehen gelassen und die Häuser, fast ausschließlich aus Holz, sind uneinsichtig.



Das ist meine Zufahrtsstraße, die 38th Road, von der Küstenlinie ab gezählt. Die schönsten Häuser in den Straßen 1 bis 3, dann wird es einfacher und ab 35 wieder wertiger, alles aber mit eingesprengselten Ausnahmen.




Hier so ein bisschen die Kategorie "normal".


Grundsätzlich ist auf Hawaii alles entspannt, aber offensichtlich gibt es hier eine große Vorsicht vor Einbrüchen. Nahezu alle Grundstücke die ständig bewohnt sind werden von Hunden bewacht, viele sind über Alarmsysteme gesichert. Habe bisher gar nicht über meine Sicherheit nachgedacht. Ein Nachbar hat an seinem Tor ein Schild, KEINE GNADE HINTER DIESEM TOR. Das Bild dazu, ein Mann zielt mit seiner Pistole auf einem vor ihm knienden Kerl.

Andere Schilder finde ich lustiger.


Die Inselhauptstadt Hilo ist 20 km entfernt, es ist aber auch nur ein Städtchen mit gut 40.000 Einwohnern. Mehrfach durch Tsunamis zerstört, gibt es nur wenige Steine Gebäude mit ein bisschen Geschichte.


Hilo gilt als eine der regenreichsten Städte der Welt, macht allerdings während meiner Anwesenheit diesem Anspruch keine Ehre. Gerne ist es zwischen mittags und spät nachmittags bewölkt, aber regnen tut es offensichtlich nur in den Bergen. 

Natürlich ist es in Hilo grün und blühend, die Umgebung hat einige schöne Wasserfälle, zum Beispiel der Wailuku River. Die Rainbow Falls sind wegen eines Rettungseinsatzes gesperrt, wahrscheinlich ist einem Amerikaner sein Hang in Wasserfälle zu springen, zum Verhängnis geworden. Die Feuerwehren hier haben übrigens gelbe Autos.


Sehr schön und direkt am Wasser gelegen, der japanische Garten von Hilo.



Angenehm, es gibt einige nette Cafés, eine geschäftigen täglichen Bauernmarkt und erstaunlich viele Geschäfte, auch für den ausgefallenen Geschmack. Aber selbst die wirklich schönen, und teuren Kleidungsstücke, beispielsweise besondere Hawaii – Hemden, sind Made in Indonesia, India oder China. Ganz selten gibt's bei Kleidung Hawaiian made, wie es bei vielen anderen Artikeln, auch vielen Lebensmitteln, gerne herausgestellt wird, und in der Regel teurer ist als Mainland made oder Mainland grown. 

Schön, dieser Hinweis in einem Buchladen, über den Local Boy, der Präsident wurde.







Neuschnee

Meistens ist er in Wolken, der 4200 m hohe Mauna Kea, der Vulkan, der den nördlichen Teil Big Islands schuf. Heute sehe ich aber frischen Schnee unter dem Wolkenhäubchen. 



Es gibt eine Straße bis auf 4000 m, also nichts wie den Jeep gesattelt und rauf. Auf zweieinhalbtausend die Starßensperre. Heute nicht befahrbar, wegen Eis und Sturm. Das darf nicht wahr sein, es ist eigentlich so schön, wie sonst kaum hier in den Bergen.

Ich bin auf dem sogenannten Sattel, dem Einschnitt zwischen dem Mauna Loa im Süden und dem Kea im Norden. Die Lava beider Vulkane hat sich hier bis auf 1900 m aufgebaut. Es gibt auch eine schmale Straße Richtung Südvulkan. Dann nehme ich eben die, mal schauen wie weit ich komme. 


Es geht schier endlos durch das Lavafeld. Ich passiere die 8000 Fuß-Marke, die 9000, 10000, 11000, die Straße führt mich immer höher. 30 km, ein Auto im Gegenverkehr, schließlich endet die Strecke in 3500 m über N.N. vor dem Observatorium. Es liegt auch hier noch der in der Nacht gefallene Schnee, es sind nun 8°. 


Kleine Rundwanderung, so 3 km mit ein bisschen Steigerung bringt mich ordentlich in Luftnot, der starke Wind kühlt auch spürbar.


Von der Küstenregion im Osten drücken die Wolken hoch. Wunderschöne Ausblicke. 

Vor mir der Mauna Kea, der auch am Nachmittag noch gesperrt ist. Aber es war nicht mein letzter Versuch, schließlich war ich noch nie auf einem Viertausender.